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Zweites Gesprächsforum Demografie: "Demografie und gesundes langes Leben"

Der demografische Wandel hat weitreichende Folgen für unser Gesundheits- und Pflegesystem. Die steigende Lebenserwartung führt dazu, dass immer mehr ältere Menschen trotz oftmals langanhaltender Vitalität in einem fortgeschrittenen Alter medizinische Hilfe und professionelle Pflege benötigen. Dieses Thema stand im Fokus der Veranstaltung "Demografie und gesundes langes Leben", zu der das Bundesinnenministerium am 6. Februar Fachleute aus Politik und Verwaltung ins Bundespresseamt eingeladen hat. Die Wissenschaftler und Mediziner Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer und Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gaben interessante Einblicke und Zahlen in den Gesundheitstand einer alternden Bevölkerung. Die Veranstaltung war Teil der Reihe "Wir haben die Zukunft in der Hand" des Bundesinnenministeriums.

Die Staatssekretärin im BMI, Cornelia Rogall-Grothe, führte ins Thema ein und verwies darauf, dass heutzutage Frauen durchschnittlich 82 Jahre und Männer 77 Jahre alt werden. Die erhebliche Zunahme an Lebenserwartung im Vergleich zu früheren Jahrzehnten ermögliche den "jungen Alten" heute lange Zeit ein eigenständiges, mobiles und engagiertes Leben. Dennoch stelle sich die Frage nach "der richtigen Architektur für ein langes Leben". "Das Augenmerk muss auf frühzeitige Prävention und Rehabilitation im hohen Alter gelenkt werden", so Rogall-Grothe.

Gesellschaftliche und ethische Fragen stellte Prof. Grönemeyer in den Mittelpunkt seines Vortrags. Während Leistung, Fitness und Produktivität in unserer heutigen Zeit im Vordergrund stünden und sich eine ganze Industrie um das Altern gebildet habe - von Wellness bis Tourismus -, würden die negativen Folgen eines hohen Alters oftmals ausgeblendet. Dabei prägten altersbedingte Erkrankungen wie z. B. Demenz allzu häufig die letzten Lebensjahre. Entscheidend sei jedoch der Umgang damit und die Akzeptanz des Alterns. "Das persönliche und subjektive Wohlbefinden ist das Wichtigste", so Grönemeyer. Deshalb müsse neben der Förderung einer effizienten Medizin vor allem die Pflege ausgeweitet und als würdige Aufgabe ernst genommen werden. Von der Politik erwarte er sich dabei ressortübergreifendes Denken und Handeln - das Bundesgesundheitsministerium könne die Folgen des demografischen Wandels nicht alleine bewältigen.

Fragen aus dem Publikum an das Podium + Fragen aus dem Publikum an das Podium Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

Die Berliner Altersstudie war Ausgangspunkt des Vortrags von Prof. Steinhagen-Thiessen von der Forschungsgruppe Geriatrie (Altersmedizin) der Charité Universitätsmedizin Berlin. Demnach würden die meisten Menschen bis 65 Jahre beschwerdefrei leben; ab dem 70. Lebensjahr nähmen jedoch 98 % der in der Studie Befragten regelmäßig Medikamente ein. Herz-Kreislauferkrankungen seien schließlich die häufigste Todesursache, gefolgt von Diabetes. Vor allem Bauchfett und Übergewicht würden die Entstehung dieser Krankheiten begünstigen. Zwar gäbe es gewisse genetische Dispositionen, die die Anfälligkeiten für derartige Krankheiten steigern, doch ob eine Krankheit tatsächlich ausbreche, hänge oftmals von den Lebensumständen und dem Lebensstil ab. "Hausbesuch bei über 65-Jährigen", so die engagierte Professorin, "eröffnen eben jenen Blick für das Ganzheitliche. Sie können sofort sehen, wie jemand lebt". Des Weiteren plädierte Steinhagen-Thiessen für Prävention: Bewegung, gesunde Ernährung, kein Nikotin. Hierbei müsse die Eigenverantwortung und Kompetenz gestärkt werden, notfalls über Druck- und Anreizsysteme. "Wenn man die Leute am Portemonnaie packt, funktioniert das in der Regel immer", so Steinhagen-Thiessen.

In der sich anschließenden Diskussion ging es u. a. um die Frage, wie man seinen Lebensstil dauerhaft verändern könne. Auch das Thema "Umgang mit Demenz" und Risikofaktoren für diese Krankheit kam zur Sprache. Dabei lernten die Teilnehmer, dass z. B. Bluthochdruck eine häufige Ursache hierfür ist.

Das Bundesinnenministerium ist innerhalb der Bundesregierung für die Koordinierung der Demografiestrategie zuständig. Die Veranstaltungsreihe soll Politik und Verwaltung durch die Einbeziehung von zukunfts- und gesellschaftsorientierten Diskussionbeiträgen aus Wissenschaft und Gesellschaft inspirieren und unterstützen.

Datum
07.02.2012
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